Marlies Unterwegs

Leben und Arbeiten im Wohnwagen

Fragen & Antworten

Frage: wohin mit den persönlichen Sachen?

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird: Wie machst Du das mit Deinen persönlichen Sachen, lagerst Du die ein? Und noch eine Frage: hast du deine Möbel, Hausrat und was man so hat alles verkauft?

Zuerst einmal müsste man wohl definieren, was persönliche Sachen sind. Ich gestehe, durch viele Umzüge in meinem Leben hat sich zum Glück nur wenig Schnickschnack angesammelt oder zumindest kaum einer, der mir wirklich am Herzen lag. Ich besaß also z.B. noch nie Erinnerungsstücke aus der Kindheit oder von Urlauben. So gab es in dieser Richtung auch nichts, von dem ich mich wirklich trennen musste. Als persönliche Sachen definiere ich daher nur Fotos und Briefe. Ja, und in der Tat habe ich das meiste davon geschreddert. Das hat insgesamt über drei Wochen gedauert. Und ja, ich habe dabei eine Gefühlswelt ohnegleichen durchlebt. Mal kichernd über einen Liebesbrief, mal Rotz und Wasser heulend über alte Erinnerungen. Das war wirklich eine anstrengende Zeit. Nur ganz wenige Fotos habe ich aufbewahrt und die haben ein Fach in meinem Wohnwagen bekommen.

Möbel und Hausrat habe ich so weit es ging verschenkt und an die Diakonie in Frankfurt am Main gespendet. Die meisten Gegenstände waren hochwertig, so fanden sie schnell Abnehmer. Sicher, ich hätte das ganze Zeug auch verkaufen können. Aber a) fehlte mir dazu die Zeit und b) fand ich auch, dass sie ihren Dienst getan hatten. Also das meiste habe ich ja irgendwie benutzt. Also hatte es sich zwischenzeitlich rentiert, es angeschafft zu haben. Wenn ich etwas nicht benutzt habe, scheint es auch nicht wichtig gewesen zu sein. So einfach war das. Von den Sachen, von denen ich mich nicht sofort trennen konnte, habe ich erstmal in eine Ecke gestellt, um zu überlegen, was ich damit mache. Aber auch das meiste davon fand dann einen Abnehmer. Möbel und Hausrat herzugeben war wirklich leicht. Mit jedem Stück weniger in der Wohnung, vom Dachboden oder aus dem Keller wurde ich innerlich etwas freier. Ich habe es nie bereut diesen Schritt getan zu haben, es ist sowas von befreiend, dass ich fast jedem wünsche, dass er diesen Mut findet.

Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was ihm wirklich wichtig ist. So kenne ich einige, die durch den Verkauf ihrer Habseligkeiten mehrere tausend Euro zusammen bekommen haben und so ein kleines Startkapital hatten. Andere wiederum mieten sich auf einem Bauernhof ein Zimmer und lagern dort ein paar Sachen ein. Oder bei den Kindern.

Ich für mich habe jedenfalls entschieden, dass ich nur Klamotten für 3-4 Wochen behalten werde, dazu gehört auch Bettwäsche etc. Und aus meiner Sicht war das eine gute Kalkulation. Zu viele Schuhe habe ich nach wie vor, aber irgendeinen Tick braucht man wohl…

 

  1. Ragnar Kueny

    Bin im Moment in der genau gleichen Phase, und ertappe mich dabei dass ich es eigentlich genau so mache. Die dritte Woche ist angebrochen vieles verschenkt, in einer Ecke das aufgestapelt wo ich noch unschlüssig bin und den Rest auf den Müll. Viele Emotionen begleiten mich dabei, helfen aber auch gleichzeitig das Ziel zu erreichen. Marlies ich kann dich sehr gut verstehen wie es Dir damals erging.

    • Ja, Ragy, ich denke schon die ganze Zeit an euch! Wenn ich überlege, wie oft ich auch (aus dem dritten Stock!) zur Mülltonne gerannt bin mit lauter Sachen, die echt kein Mensch braucht und man sich fragt, warum man das nicht schon vor zehn Jahren entsorgt hat. Und das bei mir, wo ich eigentlich nie so ein Sammler war. Da frage ich mich, wieviele Wochen das bei anderen dauert, die seit 30 Jahren in einem Haus wohnen z.B.
      Aus heutiger Sicht kann ich auch verstehen, warum deshalb viele nicht den Absprung schaffen. Aber ich sage Dir, die meisten, die ich hier in Spanien treffe, sagen: was soll ich denn noch mit dem Haus? Kinder sind ausgezogen oder in der Weltgeschichte unterwegs oder kommen eh nur einmal im Jahr zu Besuch oder oder…
      Ich finde den Weg richtig, sich dann auch vom Haus zu trennen. Eine Wohnung nehmen oder irgendwann ins Altersheim ziehen kann man immer noch wieder.

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