Auf der Autobahn zu fahren ging ja wohl völlig easy. Aber wie das mit den Zufahrten zu den Campingplätzen ist, hatte ich völlig unterschätzt. Erstmal war ich eh schon über zwei Stunden zu spät dran, weil die in Freiburg die Autobahn wegen Fahrbahnmarkierung einspurig gemacht hatten,  so dass es schon kurz vor 18 Uhr war, als ich am geplanten Campingplatz ankomme. Um 18 Uhr schließen die meisten. Die Zufahrt ist der absolute Horror. Das erste Mal spüre ich, dass ein paar Erfahrungen jetzt grad nützlich wären. Plötzlich führt die Zufahrt zu dem Campingplatz auf eine Deichstraße, so dass es links und rechts abschüssig nach unten geht. Oh mein Gott! Und dann wird diese Straße mit einem Mal auch noch schmaler. Ahhhhh!!! Ich schwanke zwischen Herzinfarkt und Heulkrampf und denke, gleich kippen Deine 70.000 EUR vom Deich und das war´s, hoffentlich liegste gleich mit drunter! Wie bin ich bloß auf diese Wahnsinnsidee gekommen???
Mit Augen zu und durch gelingt es mir den Deich zu überwinden, um dann auf eine schmale Brücke zu treffen, die links und rechts Geländer hat wie bei Eisenbahnbrücken. Da soll ich durch passen??? Ich dreh gleich durch. Nützt nichts, zurück geht nicht und hinter der Brücke soll der Eingang zum Campingplatz sein. Also auch noch irgendwie über die Brücke geschlängelt und stehe mit einem Mal vor der Zufahrtsschranke. Geschafft, denke ich. Gerade will ich aus dem Auto aussteigen, um zur Rezeption zu laufen, da kommt mir diese schon wild fuchtelnd entgegen! Keine Ahnung, was sie redet, es ist französisch und ich verstehe kein Wort. Also zumindest nicht von ihr. Öh…. wie komme ich eigentlich auf die Idee, dass die wohl alle überall zumindest englisch sprechen? Falsch gedenkt. Mit Händen und Füssen und mit in ihrem Rezeptionszimmer hängenden Plakat gibt sie mir zu verstehen, dass auf diesem Campingplatz keine Tandemachser drauf können. Können die so ein Schild nicht vielleicht schon 500m vorher anbringen, statt einen diese Tortur durchmachen zu lassen und man in der Rezeption davon erfahren muss? Ich verstehe die Welt nicht mehr, bin fix und fertig mit den Nerven, aber letztendlich selbst schuld. Ich hätte ja vorher da anrufen und fragen können. Hätte, hätte, Hundekette… Ich versuche auf englisch sie zu fragen, ob sie mir einen anderen Platz nennen könne, wo ich jetzt um diese Uhrzeit noch hin könnte. Sie versteht kein Wort, aber da es wohl nicht das erste Mal ist, dass das passiert, drückt sie mir einen Flyer in die Hand mit anderen Campingplätzen in der Umgebung.
Ich muss also wirklich wieder über diese schmale Brücke und diesen noch schmaleren Deich und mir im mittlerweile halbdunklen Abend in einem fremden Land mit großem Wohnwagen hinten dran noch eine andere Bleibe für die Nacht suchen. Ich bin fix und fertig. Über zwanzig Kilometer fahre ich weit weg von der Autobahn durch Kuhdörfer und gefühlte Landwirtschaftswege und bete mein Navi an, dass der Weg ja richtig ist. Auf dem Weg zum neuen Ziel komme ich an mindestens zwei Campingplätzen vorbei, die bereits komplett geschlossen sind, da bei denen die Saison nur bis Ende August geht. Warum wusste ich von alledem nichts??? Niemals im Leben wäre ich einfach nur so drauf los gefahren….
Endlich erreiche ich tatsächlich den Campingplatz und zum Glück hat dieser noch geöffnet. Auch hier spricht niemand englisch, aber sie sieht, dass ich alleine bin und versteht irgendwie, dass ich angehängt stehen bleiben möchte und wir verständigen uns mit Händen und Füssen.
Ganz großer Mist, denke ich. Am frühen Nachmittag wolltest Du am ersten Zielpunkt sein, damit Du noch arbeiten kannst. Jetzt ist es zwanzig Uhr, wird dunkel und NATÜRLICH geht dieses Mist-Internet nicht. Ich bekomme schon wieder fast nen Heulkrampf, hab aber keine Zeit dafür, da ich erstmal noch schnell im Hellen den Strom anschließen und das Duschhaus suchen muss. Was für dermaßen versüffte Toiletten und Duschen. In welchem Jahr genau war hier das letzte Mal jemand putzen? Aber nützt nichts. Von der grad erlebten abenteuerlichen Fahrt bin ich dermaßen durchgeschwitzt, dass ich lieber zehn Minuten eiskalt dusche, als so schwitzig ins Bett zu fallen. Auf Toilette kann man auch im Stehen – igitt…
Mit Albträumen, dass der Zielcampingplatz vielleicht auch so versüfft sein könnte, falle ich völlig erschöpft in den Schlaf.

Am nächsten Morgen geht es früh schon weiter und am Abend das gleiche Spiel. Durch das Abgelegene komme ich auch am nächsten Ziel so spät an, dass es fast schon wieder dunkel wird. Die Zufahrtsstraße auch so eng mit Steinmauern eingeigelt. Immerhin nehmen sie Tandemachser auf. Es gibt jedoch niemanden, der einem beim Einrangieren in die kleine Parzelle helfen kann und angehängt kann ich nicht stehen bleiben. Ich steht kurz vorm Nervenzusammenbruch noch immer geschockt durch die Erlebnisse vom Vortag. Dem jungen Mann tue ich wohl so leid, dass er mich dreimal rund um den Campingplatz fahren läßt, bis wir eine Stelle finden, wo ich mitten auf dem Weg angehängt stehen bleiben kann. Dann läßt er mich allein. Ich stehe in einem Schlammloch, es hatte wohl grad einen kräftigen Regenguß gegeben. Ich bin noch nicht ganz ausgestiegen, da fallen die Mücken über mich her, als hätten sie seit drei Wochen kein Blut gesehen. Ich hasse diesen Platz so sehr, dass ich nicht mal ein Foto mache und froh bin, am nächsten Morgen wieder abreisen zu können. Immerhin waren wenigstens die Duschen und Toiletten einigermaßen sauber…
Ich glaub, ich war die zweite Nacht irgendwo in Narbonne auf einem Campingplatz, aber so ganz genau weiß ich das wirklich nicht mehr. Ich freue mich nur, dass unterwegs auf jeden Fall schon mal Barcelona zu lesen war.

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