Marlies Unterwegs

Leben und Arbeiten im Wohnwagen

Tagebuch

Santiago de la Ribera, Bodega, Tapasbar

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Heute war ich mit einer Spanierin Mittag essen gegangen. Endlich zeigt mir jemand Einheimisches ein gutes Restaurant. Mit läuft schon das Wasser im Munde zusammen als ich die ganzen Tapas in der Auslage sehe.  Ein uriges kleines Restaurant mit fünf kleinen Tischen drinnen und drei  draußen.  An der Bar steht eine kleine Gruppe Spanier mittleren Alters. Wahrscheinlich Kollegen aus einer Firma, die Mittagspause haben, denke ich. An vier der Tischen etwas ältere spanische Herrschaften. Als hätten wir ihn bestellt, ist der fünfte Tisch für uns noch frei.
Nichts zu sehen von den peinlichen deutschen Rentnern, denke ich kurz, unterhalte mich dann aber lieber mit meiner Freundin über dies und das. Wir schmeißen uns bald weg vor lachen, dann kommt endlich das Essen. Wie gemütlich diese kleinen Schüsselchen sind mit lauter Leckereien, schwärme ich schon bevor ich überhaupt probiert habe. Ist es nicht viel schöner lauter verschiedene Teller auf den Tisch zu bekommen, von dem jeder immer probieren und essen kann? Ich finde das eine großartige Kultur. Davon abgesehen, dass es an Gemütlichkeit kaum zu übertreffen ist, hat man so auch viel mehr den Eindruck wirklich gemeinsam zu essen. Viel besser als die in Deutschland möglichst großen Teller mit einem Riesenberg an Essen. Alles meins! Hauptsache viel! Und billig! Und den Rest bitte zum Mitnehmen einpacken!!! Wir haben ja schließlich dafür bezahlt!
Als ich endlich probiere, stöhne ich fast das halbe Restaurant zusammen, so lecker ist alles. Ich falle meiner Freundin förmlich um den Hals, dass sie mich hierher gebracht hat. Danke, Danke, Danke!
Ich war jetzt in gefühlten tausend Restaurants, selbst in denen, bei denen die Deutschen immer sagen, es sei lecker. Furchtbar schmeckt es überall! Davon abgesehen, dass sie immer das Salz und andere Gewürze vergessen, schmeckt es oft nach altem Fett, wässrig oder das Gemüse schmeckt, als sei es bereits eine Woche lang zum 35. Mal aufgewärmt worden.
„Woher kommt das?“ frage ich meine Freundin. „Ja, so ekelig schmeckt es nur dort, wo die ganzen deutschen Touristen hingehen. Weil die das sowieso nicht merken. Da die Deutschen sich hier so unmöglich aufführen und den Spaniern gegenüber oft auch sehr abwertend sind, bekommen sie es halt über das schlechte Essen zurück.“ Genial denke ich, was für eine Genugtuung. Die Bedienung muss sich innerlich förmlich kaputt lachen, wenn sie die „La Cuenta“ für das viel zu überteuerte, ekelige Essen bringt.
Endlich esse ich das erste Mal einen richtigen russischen Salat, der super, super lecker ist. Darüber so kleine Sardellen (Boquerónes) gereicht mit Rosquillas de Pan, diesen Crackerstangen. Nach und nach bekommen wir noch weitere Leckereien. Hackbällchen in Tomatensauce mit ein bisschen Gemüse, gefüllte halbe Kartoffeln, Gulasch in Gulaschsauce und gekochte Wurst in einer Weißweinsauce (Chorizos al Vino). Normalerweise wird die mit Sidra (Sekt) gemacht, klärt mich meine Freundin auf, also heißen die deshalb eigentlich Chorizos a la Sidra, aber hier gibt es die eben mit Weißweinsauce. Ich hätte den Rest des Tages dort verbringen können, so toll finde ich alles. Dieses Essen, das ganze Ambiente und die überdurchschnittlich freundliche Bedienung. Weil meine Freundin spanisch spricht. Ich verstehe mittlerweile immer mehr und kann wenigstens ab und zu ein ¡Vale! oder ¡Gracias! mit einbringen. Wir haben einen super Tag. Zum Abschluss gönnen wir uns noch einen Crépe und Café BomBom, ein Kaffee mit sehr süßer Kondensmilch, total lecker. Ich platze bald, als wir das Restaurant verlassen.

Tja, jetzt fragt ihr euch, wie denn das gute Restaurant heißt, richtig? Aber ich sag euch was, ich werde es nicht verraten. Sucht euch selbst spanische Freunde. Ich möchte hier noch ab und zu mal wieder hingehen können, ohne dem deutschen Volk zu begegnen. Hoffentlich kann ich bald besser spanisch!

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3 Kommentare

  1. Kathy Egger-Raffainer

    Liebe Marlies,
    wie immer einen superschönen und anschaulich geschriebener Bericht… da läuft einem schon beim lesen das Wasser im Munde zusammen.
    Schade finde ich, dass du nicht verrätst, wo diese Bodega ist… wobei ich deine Beweggründe nur allzugut verstehen kann… ?
    Weiterhin eine schöne Zeit, tolle Erlebnisse und viele spanische Freundschaften.
    Ganz liebe Grüsse vom Bodensee
    Kathy

  2. Dieter

    Ich hab förmlich mitgegessen.

Kommentare sind geschlossen

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