Endlich bin ich durch Frankreich durch. Ein einziger Albtraum. Die viel zu schmalen Zufahrten zu den Campingplätzen, die Autobahn mitten durch Lyon, die dreckigen Campingplätze, die 40 cm hohen Kantsteine an den Autobahnraststätten…. ich beschließe auf dem ersten Rastplatz hinter der Grenze auf spanischer Seite einfach zwischen den LKWs zu parken, um wenigstens kurz Pippi machen zu können, damit es weiter gehen kann.
Das gesteckte Ziel ist viel zu weit weg. Knapp 670 km. Glatte 11 Stunden brauche ich und komme auch schon wieder erst nach 18 Uhr an. Und die Zufahrtsstraße… unfassbar, was für Albträume!! Wieso sagt einem das eigentlich keiner? Hatte ich in den Campinggruppen und in den Deutschen in Spaniengruppen bei Facebook nicht oft genug danach gefragt?
Die Zufahrtsstraße geht in dermaßen hohen Wellen hoch und runter, dass ich annehme, entweder mit dem Wohnwagen gleich vorn aufzusetzen oder zumindest hinten hängen zu bleiben. Aber es bleibt mir gar keine Zeit darüber nachzudenken, denn mit einem Mal geht es links knapp 1,5m abschüssig in ein ausgetrocknetes Flussbett steil herunter und die Straße wird schmaler. Rechts eine Mauer. Ich dreh noch durch! Das gibt´s doch gar nicht! Ist von den Campingplatzbesitzern oder von den Mitarbeitern jemals einer mal zu diesem Campingplatz gefahren? Wie kann man denn solche Zufahrtsstraßen bauen???
Völlig aufgelöst erreiche ich die Einfahrt. Wenigstens die ist ordentlich breit. Ich parke rechts am Rand und werde von einem Auto überholt, das direkt neben mir kurz anhält.
Die Frau kurbelt das Fenster runter:“Wahnsinn, wie sie das gemacht haben! Dass sie sich überhaupt getraut haben, da durch zu fahren!!! Meinen allergrößten Respekt!“ Ihr Mann stimmt ebenfalls mit ein. „Danke!!!“ lächle ich. Getraut??? Was war denn die Alternative?
Erleichtert endlich angekommen zu sein, gehe ich zur Rezeption und freue mich, dass zu so später Stunde noch einer da ist.
Nein, auf diesem Platz kann ich nicht angehängt stehen bleiben, dafür haben sie keinen Platz. Nein, beim Einrangieren kann einem keiner helfen. Ich bin wie vor den Kopf geschlagen und fange an zu heulen. Was war noch gleich der Grund, warum ich keinen Mover habe? Handy-Akku auch leer. Ich kann einfach nicht mehr. Heulend frage ich den jungen Mann an der Rezeption, wo ich denn nun so kurz vorm Dunkelwerden noch hin soll und frage, ob ich da am Straßenrand vor der Tür stehen bleiben darf. Er ruft seinen Chef an. Nachdem er fertig ist, zeigt er mir durch das Fenster zwei gegenüberliegende Plätze, da könne ich nun doch angehängt für eine Nacht stehen, müsste aber beide bezahlen. Mir doch egal. Ich frage mich nur, wie ich da rein kommen soll, so eng und zugebaut sind die schmalen Straßen auf dem Campingplatz. Aber es nützt nichts. Augen zu und durch. Ich steige in meinen Wagen, fahre durch die Einfahrt und der Typ läuft neben mir her und quatscht mich irgendwie voll. Freundlich antworte ich ihm durchs offene Fenster und genau da passiert´s. Nur für einen Bruchteil einer Sekunde schaue ich nicht in den Rückspiegel und bleibe mit dem Hinterteil des Wohnwagens an einem Straßenschild an der Zufahrtsschranke hängen. Ich breche in Tränen aus, dass mir das passiert ist und weiß nicht, wie ich mich als erstes dafür entschuldigen soll und zweitens mache ich mir gleichzeitig Vorwürfe, ob ich es nun endlich geschafft habe wenigstens meine 40.000 EUR zu schrotten und drittens wie man eigentlich so doof sein kann, genau an dieser Stelle so ein Schild hinzustellen, zudem noch völlig überflüssig. Ich kann mich gar nicht beruhigen. Der halbe Campingplatz steht mittlerweile auf der Straße und um mich rum und guckt zu wie ich da stehe und heule. Zwei Männer helfen mir, die anderen 40 gaffen weiter. Nach ca. 15 Minuten hatte man mich von dem verkeilten Verkehrsschild befreit und ich konnte endlich auf den Platz fahren. Die 40 Gaffer waren noch bevor ich aus dem Wagen gestiegen bin wieder in ihren Wohnwägen zum Fernsehgucken verschwunden und der Rest war so alt, dass ich mich nicht mal getraut hätte zu fragen, ob irgendwer mir hilft, den Wohnwagen zu rangieren. Aber ich stehe einigermaßen gerade, so dass ich einfach so stehen bleibe und beschließe über das Problem, wie ich da Morgen wieder raus kommen soll, erst Morgen früh nachzudenken.

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Ich gehe erstmal ins Restaurant und trinke ein Glas Wein. Einen knappen Meter ist die Schramme lang. Wenigstens diesen Abend den Sonnenuntergang genießen. Der Blick ist ja irgendwie schön.

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Als ich am nächsten Morgen aufstehe, hatte sich mittlerweile rumgesprochen, was genau passiert war und ganz viele Nachbarn sind super, super nett zu mir. Ich bin sowas von erleichtert und glücklich, dass ich schon fast wieder anfange zu heulen. Ruckzuck wäre ich aus dieser kleinen Zelle wieder raus, wenn wir den Wohnwagen mit ein paar Mann einfach drehen könnten. Aber die Leute sind einfach zu alt, um mir beim Schieben zu helfen. Aber sie alle erklären sich bereit mich in zwei Stunden nach dem Frühstück tatkräftig dabei zu unterstützen, dass ich hier und jetzt das Rückwärtsfahren mit dem Wohnwagen lerne. Und wieder bleibt mir nichts anderes übrig. Und wieder helfen zwei und wieder gucken 40 andere zu. Ich gebe mir beste Mühe mit nur zwei Anläufen den Wohnwagen so in die Einfahrt auf der gegenüberliegenden Seite rückwärts reinzubugsieren, dass ich schnellstmöglich vom Hof und den Gaffern entkomme. Wieder bin ich drei Stunden später dran als geplant, aber diese letzte Strecke habe ich zum Glück nur noch knapp 300 km vor mir.

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