Marlies Unterwegs

Leben und Arbeiten im Wohnwagen

Tagebuch

Von Bürgermeistern, Schildbürgern und der Berliner Mauer

Berliner Mauer

Heute ist ein neuer Bürgermeister mit Frau auf dem Campingplatz angereist. Normalerweise ziehen die immer ins Stadtzentrum, da man dort a) mehr zu tun hat, um für Recht und Ordnung zu sorgen und b) durch Erfüllung eben dieser Aufgaben von den Stadtbewohnern besser wahrgenommen wird und somit mit mehr Bewunderung schneller zu Ruhm und Ehre gelangt. Dieser Bürgermeister ist nun allerdings zu mir an den Stadtrand gezogen. Ich kenne zwar noch nicht seinen Namen, aber dafür schon mal seine von innen nach außen gekehrten Unterhosen. Diese hat seine Frau heute zur Reviermarkierung und Abgrenzung an meine Grundstücksgrenze gehängt. Diese wichtige Aufgabe wäre also schon mal erledigt.

Zufällig war heute auch der Tag, an dem ich beschlossen hatte, mir eine grüne Sichtschutzwand zu ziehen sowie eine Berliner Mauer zu errichten. Mir dabei zu helfen, dazu hatte sich ein wirklich mal netter Nachbar (deutscher Rentner!) zwei Plätze weiter bereit erklärt. Wie ich heute wieder gelernt habe: auch so eine Berliner Mauer ist eine Wissenschaft für sich. Aber der nette Nachbar kennt sich zum Glück aus und so muss ich nur hier und da festhalten oder etwas zureichen. Eine dankbare Aufgabe, wie ich mittlerweile festgestellt habe, da man dann für nichts schuldig gemacht werden kann. Also weder dafür, dass irgendwas schief ist, noch dafür, dass das Teil vielleicht dem nächsten Sturm nicht stand hält. Nein, dieser Nachbar ist kein Elektriker und auch nicht der Bruder davon. Aber er versteht meinen Humor und es war wirklich lustig.

Bis zu dem Zeitpunkt als der Bürgermeister endlich einen Grund gefunden hatte sich einzumischen. Eine halbe Stunde hatte man ihn schon in seinem Wohnmobil auf- und abtrampeln gehört von einem zum anderen Fenster, wie ein Löwe im Zoo, der hinter seinen Gitterstäben grad überlegt, wie er wohl an die dämlichen Besucher kommt, um sie zu zerfleischen.
Mein netter Nachbar misst mit dem Zollstock gerade den nächsten Abstand für das nächste Stück der Bodenbefestigung der Berliner Mauer aus, als der Bürgermeister diese Chance nutzt aus seinem Käfig zu springen und wie ein Löwe anfängt zu brüllen:
„Sie haben ja gar keine Ahnung!!! Für sowas braucht man doch nun wirklich keinen Zollstock!!! (HAHAHA!!!!) Ich werde ihnen mal zeigen, wie man das RICHTIG macht!“ Wie Tarzan klopft er sich dabei mit beiden Fäusten auf die Brust.
Ich sehe ihn kurz an, dann wieder zu meinem Nachbarn und frage diesen dann:“Wann genau kommt Deine Frau nochmal zurück?“
Der Bürgermeister ist sichtlich empört, dass man ihm hier am Stadtrand gar keine Beachtung schenkt. Er rennt an der halb fertigen Berliner Mauer auf und ab und wiederholt seinen Text noch zwei Mal. Aber da mein Nachbar mir immer noch über die Rückkehr seiner Frau erzählt, zieht der Bürgermeister irgendwann seinen Schwanz ein und verschwindet endlich wieder. Ich schätze auf ähnliche Art und Weise hat er auch die letzte Bürgermeisterwahl im Stadtzentrum verloren und wurde deshalb nun hier an den Stadtrand verbannt.
Es wurde also allerhöchste Zeit mit dem Bau der Berliner Mauer zu beginnen.

Im übrigen habe ich vorerst beschlossen hier auf diesem Campingplatz nicht nur aus gesundheitlichen Gründen erstmal zu bleiben, sondern auch einfach aus Bequemlichkeit. Ach Quatsch, der wahre Grund sind einfach diese lustigen Stadtbewohner. Hier jagt ein Schildbürgerstreich den nächsten, das kann ich mir einfach nicht entgehen lassen. Und wie genau die Schildbürger das machen, dass sie ständig wie Genies da stehen, will ich unbedingt noch weiter erforschen – auch wenn die meisten von ihnen gen Ostern erstmal abreisen. Aber der nächste Herbst naht bestimmt!

Wäscheleine am Campingplatz

2016_02_26_berliner_mauer_02_c

2016_02_26_berliner_mauer_00_c

Berliner Mauer 2016_02_26_berliner_mauer_04_c

  1. Carlo Kirchhof

    Ehrlich gesagt fand ich deinen Platz offenen doch schöner, aber ich kann dich sehr gut verstehen, wenn die Privatsphäre ständig gestört wird, macht es schon Sinn sich einzumauern.
    Dein Helfer hat sehr gute arbeit geleistet, toll gemacht, das wird bestimmt einige Stürme aushalten.
    Wenn nicht, mein Angebot steht ja noch bringe dir LKW Ladung mit Findlingen 😉

    • admin

      Ach, da kommen noch ein paar Blumentöpfe hin, dann sieht es nicht nur wesentlich netter aus, sondern kommt auch einem Kleingarten viel näher! 🙂

  2. Ragnar Kueny

    Hallo Marlies, habt ihr aber super hinbekommen und mit ein paar Töpfen und Pflanzen sieht das bis im Herbst sicher genial aus. Du weisst ja bis dahin hast Du noch Zeit und dann wird die erste Bau- und Landschaftsinspektion gemacht und wehe ich finde einen Fehler 🙂 Aber ich weiss jetzt schon dass alles perfekt sein wird (Y)

    • Ich werde noch ein paar Baustellen für Dich übrig lassen. ^^ Das Lob gebe ich Morgen mal weiter an meinen netten Nachbarn! 🙂

Leave a Reply

Theme by Anders Norén

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen